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Technology

Featuritis

Featuritis ist eine ernstzunehmende Krankheit. Sie ist für den Menschen nur indirekt gefährlich, aber für IT-Systeme und damit verbundene Projekte ist sie existenzbedrohend und ansteckend.

Michael Türk
Senior Director, Solutions Consulting
20. Nov 2020
5 min read
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Featuritis ist eine ernstzunehmende Krankheit. Sie ist für den Menschen nur indirekt gefährlich, aber für IT-Systeme und damit verbundene Projekte ist sie existenzbedrohend und ansteckend. Sie entsteht durch den übertriebenen Fokus von beteiligten Personen auf Feature-Listen und den damit verbundenen Versuch, die Komplexität in IT-Projekten vor deren Durchführung einzuschätzen. Das Kalkül lautet: Ich brauche eine bestimmte Funktion, die das System bereits anbietet, also spare ich im Endeffekt Zeit und Geld.

 

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Das Ganze hat zwei unmittelbare Folgen:

  1. Die Reduzierung der Komplexität diverser Anforderungen auf einen einzelnen Begriff, welcher dann haargenau so auf einer Feature List gesucht und abgehakt wird, ohne die wirkliche Ausprägung der Funktionen zu hinterfragen, sorgt für eine starke Vereinfachung des Sachverhalts, die den spezifischen Ansprüchen des Unternehmens meist nicht mehr Rechnung trägt. Das sorgt in vielen Fällen für ein unrealistisches Bild von gewünschten Features und damit im Laufe des Projekts für böses Blut zwischen Verantwortlichen und Umsetzern.
  2. Systemanbieter verlängern ihre Featureliste, um für mehr Kunden interessant zu werden. Damit bauen sie aber immer mehr Funktionen ein, die nur für einen Bruchteil der Kunden wirklich relevant ist. Gemäß der Standish Group werden ungefähr die Hälfte der Funktionen “hardly ever”, also so gut wie nie verwendet. Sie müssen aber sehr wohl gewartet und regelmäßig aktualisiert werden oder anders formuliert: man bezahlt sie, obwohl sie nicht gebraucht werden.

Es wäre nun natürlich eine gangbare Alternative, die Anforderungen ausführlicher zu beschreiben und dann auch im Detail mit den angebotenen Funktionen zu vergleichen, was aber viel Zeit frisst, die man nur selten hat. In Extremfällen soll zwischen Start und Abschluss der Konzeptionsphase auch schon mal ein Jährchen vergangen sein. Was die gesammelten Anforderungen dann noch wert sind, möchte ich nicht beurteilen. Dann sind wir auch gern wieder im Sinne des guten alten Wasserfalls unterwegs und weit weg von agiler Vorgehensweise, deren Vorzüge in 2018 doch recht selten in Frage gestellt werden.

Lange Featurelisten sind im Übrigen auch in keiner Weise ein sinnvoller Ausblick in die Aufwände, die im Projekt anfallen werden. Ein besonderes Beispiel habe ich erst diese Woche wieder erlebt: Zusätzlich zu den 100 Modulen der Enterprise-Variante einer beliebten E-Commerce-Plattform kamen im Laufe der Zeit zusätzliche 120 kundenspezifische Module hinzu. Leider ist nicht im Detail überliefert, wie hoch der Anteil der genutzten Standardfunktionen dabei effektiv war – nicht zuletzt, weil sich die Module nur schwer voneinander trennen lassen. Aber es bleibt festzuhalten: Viele Funktionen der Plattform reduzieren in keiner Weise das Bedürfnis der Kunden nach Differenzierung.

 

Ist Spryker auch schon befallen?

Ja, klar. Auch wir können nicht von der Hand weisen, dass es absolut notwendig ist, das eine oder andere notwendige Feature out of the Box mit auszuliefern. Kein Kunde möchte das Rad komplett neu erfinden. Es bedarf also eines vernünftigen Mittelwegs.

Inwiefern trägt Spryker also zum Seelenfrieden in E-Commerce Projekten bei?

  1. Natürlich bietet Spryker alle notwendigen Funktionen eines modernen Online Shops von Haus aus an. Die gesamte Customer Journey von Landing Pages über Kategorie- und Produktseiten, den Warenkorb hin zum Checkout wird für diverse Endgeräte optimiert ausgeliefert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Lösungen hört die Journey hier übrigens bei Spryker nicht auf, weil für uns auch die Automatisierung im Order Management ausschlaggebend für Erfolg ist. Allerdings wird man bei uns nicht das hundertste Marketing-Feature von der Stange “out of the box” geliefert bekommen – das dann alle Wettbewerber ebenfalls schon haben, sondern wir befähigen unsere Kunden stattdessen dazu, schnell individuelle Features zu entwickeln, die ihr Business voranbringen und dann auch als Alleinstellungsmerkmal taugen.
  2. Für uns ist Codequalität essenziell. Code-Qualität ist ein zentraler Faktor für die Aufwände für Anpassungen der Lösung an spezifische Anforderungen. Jeder kennt das Gefühl, dass die Effizienz der Entwickler im Laufe eines Projekts kontinuierlich abnimmt und die Fortschritte schlussendlich komplett zum Erliegen kommen. Jede Anpassung, jedes neue Feature verschlingt von da an Mondpreise, dauert eine gefühlte Ewigkeit und mit jeder Änderung reagiert das System ein kleines bisschen langsamer.

 

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  1. Jeder Systemhersteller behauptet gern, dass sein Baby besonders gut entwickelt ist. Wir können es beweisen, indem wir einen unbestechlichen, objektiven Dritten fragen, der sich auf die Beurteilung von Softwarequalität spezialisiert hat, z.B. Scrutinizer. Mit 9,62 von 10 maximal erreichbaren Punkten thronen wir hier ca. 20% über allen Alternativen. Ergo ist man mit Spryker schneller am Ziel, sowohl im initialen Projekt als auch in der kontinuierlichen Betreuung.
  2. Es ist deutlich schwieriger die Geschwindigkeit, Skalierung oder Sicherheit des Systems durch neue Funktionen zu beeinträchtigen. Hintergrund ist die Systemarchitektur inklusive Trennung von Frontend und Backend. Natürlich ist auch hier die besagte Codequalität nicht nachteilig.
  3. Spryker definiert Modularität komplett neu: Es gibt nicht das eine Spryker-System, sondern über 200 eigenständige Module, die einen abgegrenzten Beitrag zum Gesamtsystem liefern. Funktionen, die nicht benötigt werden, werden gar nicht erst in den Code geladen. Diese belasten weder die Entwickler, noch die eingesetzten Server. Sie sind einfach nicht da.
Ist Spryker jetzt also meine Kur für die Featuritis?!

Aus den oben genannten und weiteren Gründen ist Spryker die agile Alternative zu bestehenden Plattformen und starren Feature-Listen. Sie ist von vornherein darauf ausgelegt, sich auf die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Projekte anpassen zu lassen und erfüllt die dafür notwendigen technischen wie organisatorischen Voraussetzungen. Sie erlaubt außerdem, unterschiedliche Versionen des gleichen Features auszuprobieren und zu dem weiterzuentwickeln, was für das jeweilige Unternehmen am besten funktioniert – um so mittels Trial & Error dem für die eigenen Kunden besten Feature-Set so nah wie möglich zu kommen.

Möchtest Du mehr darüber erfahren, wie Ihr diese Herausforderungen überwinden können? Wir helfen gerne mit ein paar kostenlosen Ratschlägen.

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